Zeppelin bringt Kairo in Aufruhr

Im Jahr 1931 glich Kairo dem Schauplatz eines Science-Fiction-Films, als in den Morgenstunden des 11. April ein riesiges, angsteinflößendes Etwas am Himmel auftauchte. Schaulustige strömten aus allen Teilen der Stadt zum Flugplatz Almaza, um Zeuge dieses einmaligen Spektakels zu werden. Aufregung, Besorgnis und Begeisterung ergriffen die Menschenmenge, die die britischen Luftwaffensoldaten teilweise durch Feuerwehrspritzen zu bändigen versuchten. Unter Jubelrufen kreiste das unbekannte Gefährt mehrmals über den zirka 30.000 Neugierigen, sank immer tiefer, bis es schließlich um 5.15 Uhr landete:

Es war Graf Zeppelin oder das Luftschiff LZ 127

Die Fahrt des Zeppelins mit dem Ziel Kairo hatte am 9. April um 6.10 Uhr in Friedrichshafen begonnen. Über das Rhone-Tal, Korsika, Sardinien, Sizilien setzte sich die Reise fort, bis am nächsten Tag die afrikanische Küste erreicht war. Anschließend nahm man Kurs auf Alexandria und überflog es um 13 Uhr Richtung Kairo. Am Spätnachmittag folgte die Überfahrt über die Pyramiden von Giseh und  Sakkara. Des Nachts näherte sich der Zeppelin dem Nil entlang Kairo, um dort auf dem Almaza-Flugplatz in Heliopolis in der Morgendämmerung des 11. April zu landen und dabei helle Aufregung unter der Bevölkerung hervorzurufen. Der ägyptische Premierminister Ismail Sidki Pasha und  der ägyptische Kommunikationsminister Tewfik Doss Pasha sowie der deutsche Gesandte Eberhard von Stohrer empfingen das Luftschiff unter dem Kommando von Dr. Hugo Eckner. Die Passagiere wurden von den Gastgebern im Mohamed Ali Club beköstigt, während sich zirka 25 andere Interessierte für auf eine Rundfahrt nach Palästina einschifften. Über den Suezkanal und die Bucht von Gaza erreichte die Graf Zeppelin um 10 Uhr Jerusalem. Dort stellte man über dem Heiligen Grab in 100 m Höhe die Motoren für einige Minuten ab. Über das Wüstengebirge kehrte der Zeppelin nach Kairo zurück und landete dort wieder um 16 Uhr.

Einer der Passagiere an Bord und somit Teilnehmer an diesem historischen Ereignis war Kurt Lambelet. Der Schweizer Staatsbürger war zuvor mit seiner Mutter Emilie und deren zweiten Mann Ernst Heinrich Landrock nach Ägypten ausgewandert. Jener gründete darauf gemeinsam mit Rudolf Franz Lehnert das Großhandelsgeschäft „Lehnert & Landrock“ in Kairo, um Fotos von Reisen sowie Bücher zu veräußern. Später übernahm Kurt Lambelet das Geschäft und gab es dann wiederum an seinen Sohn, den jetzigen Inhaber, Dr. Edouard Lambelet weiter. Der Hauptsitz befindet heute sich in der 44 Sherif Street, Downtown – es ist ein Schmuckstück Kairos.

Kurt Lambelets Interesse am Zeppelin rührte nicht von ungefähr, meint sein Sohn und zeigt auf die Fahrkarte für die Rundfahrt mit dem Zeppelin, ausgestellt auf seines Vaters Namen. Die Fahrkarte kostete 27 Pfund Sterling und 10 Shilling – für damalige Verhältnisse viel Geld. Schon als Kind habe sein Vater in den Ferien in der Tischlerwerkstatt seines Großvaters in Emishofen mit dem Sohn von Ferdinand Graf Zeppelin gespielt. Das war 1910.

Zu dieser Zeit hatte der deutsche Erfinder Ferdinand Graf Zeppelin schon längst seine Vision vom Fliegen - vom Luftschiff, das als Zeppelin in die Geschichte eingehen sollte. Im Jahr 1900 nahm sein Plan Gestalt an: Der Prototyp LZ1 war geboren. 1908 gründete er „Luftschiffbau-Zeppelin GmbH“, die bis 1938 Luftschiffe baute. Eines davon war das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin, das am 18. September 1929 auf Jungfernfahrt ging und bei insgesamt 590 Flügen mit 34.000 Passagieren über 1.690.000 km zurücklegte. 

Einer dieser 590 Flüge war die legendäre Ägypten/Palästina-Rundfahrt im April des Jahres 1931.

In der Bildergalerie befinden sich eine Reihe von Aufnahmen aus dem Archiv von "Lehnert & Landrock" sowie die Fahrkarte Nr. 1481. Aus dem Archiv von Dr. Jiri Baum haben wir mit Einverständnis von dessen Sohn Petr aus Rowville in Australien  ebenfalls einige Fotos aufgenommen.

sk