Ägypten fängt den Wind ein
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Investitionen effizienter steuern: Der Atlas zeigt die besten Standorte für Windräder und Sonnenkraftwerke
(© DLR)
Ägypten legt ehrgeizige Ziele vor: Bis 2020 will das Land ein Fünftel seines Strombedarfs aus Windkraft decken. Im Windpark Zafarana am Roten Meer drehen sich schon jetzt die großen Räder.
Es tut sich was in Ägypten, und das nicht erst seit dem Arabischen Frühling. Die Bevölkerungszahl hat sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt, allein der Großraum Kairo ist mit geschätzten 25 Millionen Einwohnern zur Megacity gewachsen. Auch die Wirtschaft entwickelt sich dynamisch – und mit ihr die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, die teuer importiert werden müssen. Das belastet nicht nur das Klima, sondern auch den Staatshaushalt.
Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn das Land am Nil hat geradezu ideale Voraussetzungen, um sich mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Flache Wüstenflächen, dadurch nur geringe Luftverwirbelungen, und das Hochland der Arabischen Halbinsel auf der gegenüberliegenden Seite des Roten Meeres wirkt wie eine natürliche Düse – beste Bedingungen für Windkrafträder entlang der Küste.
Das hat auch die Regierung in Kairo erkannt. Bis 2020, so das ehrgeizige Ziel, soll ein Fünftel des Strombedarfs aus Windkraft gedeckt werden. Um die nötigen Investitionen von etwa 340 Millionen Euro stemmen zu können, hat das ägyptische Ministerium für Elektrizität und Energie internationale Kapitalgeber als Partner gewonnen, die auch für das nötige Know-how sorgen sollen. Federführend ist die deutsche KfW-Entwicklungsbank, die über die Hälfte der Investitionssumme beisteuert.
2011 ist der Windpark Zafarana am Roten Meer in Betrieb gegangen. 700 Windräder, aufgeteilt in acht Einzelwindparks, von denen wiederum vier von der KfW-Entwicklungsbank gefördert wurden, liefern insgesamt 550 Megawatt.
Keine 200 Kilometer weiter südlich, im Golf von El-Zayt, entsteht nun der größte Einzelwindpark, der jemals im Rahmen internationaler Hilfsprojekte in Afrika gebaut wurde. Anfang 2014 soll die Anlage in Betrieb gehen; Leistung allein hier: 200 Megawatt.
„Das Potenzial für Windkraft in Ägypten ist enorm“, sagt Kurt Hildebrand, der für Nordafrika zuständige Projektleiter für erneuerbare Energien der KfW. „Wir nehmen an, dass das Land weit über 20000 Megawatt allein durch Windenergie erzeugen kann. Damit könnte man nicht nur die eigene Bevölkerung versorgen, sondern irgendwann sogar Strom exportieren, zumindest wenn man Photovoltaik und thermische Solarkraftwerke hinzunimmt“.
Auf die lokalen Gegebenheiten ist man bei der Planung besonders sensibel eingegangen, wie die Anordnung der Windräder in Zafarana zeigt. Die Küstenregion am Roten Meer gilt als eine der Hauptrouten für Zugvögel, die alljährlich über Ägypten hinweg gen Süden ziehen. Zu deren Schutz hat man eine mehr als 300 Kilometer breite Schneise freigelassen. Darüber hinaus ist der Windpark mit einem innovativen Radarsystem ausgestattet: Wird ein Vogelschwarm gemeldet, schalten die Windräder automatisch ab. Nennenswerte Leistungseinbußen seien dadurch nicht zu befürchten, sagt KfW-Projektleiter Hildebrand: „Die Technologie wurde bereits in anderen Ländern eingesetzt. Der Effekt auf die Stromerzeugung lag bei weniger als zwei Prozent.“ ▪
(Textquelle:Redaktionelle Bearbeitung: Deutschland Zentrum Kairo)