Deutsch-ägyptische Wissenschaftskooperation: Wie Wälder in der Wüste besser wachsen

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Ägypten hat etwa 84 Millionen Einwohner. Der größte Teil der Bevölkerung lebt im Niltal und -delta auf gerade einmal vier Prozent der Landesfläche, denn die restlichen 96 Prozent Ägyptens bestehen aus Wüste. Die Besiedelung am Grünstreifen des Nils ist schon jetzt extrem dicht, ein weiterer Anstieg ist prognostiziert. Die hohe Besiedelungsdichte des Flussdeltas ist problematisch: Die Menschen verbauen fruchtbare Flächen, sie produzieren viel Abwasser. Um die Situation zu entspannen, startete die ägyptische Regierung Mitte der 1990er Jahre ein Pilotprojekt, das das Abwasserproblem lösen sollte. In verschiedenen Wüstengebieten außerhalb der großen ägyptischen Städte wurden unterschiedliche Baumarten angepflanzt und mit vorgereinigtem Abwasser bewässert.

 

Im Rahmen dieses Pilotprojekts wurden insgesamt über 4.000 Hektar auf 24 Standorten aufgeforstet, das ist etwa das Zehnfache des Englischen Gartens in München. Gepflanzt wurden unter anderem Akazien, Kasuarinen und Zypressen: „Nach nur sieben Jahren sind bis zu 15 Meter hohe Wälder in der Wüste entstanden. Dank Sonnenlicht und nährstoffreichem Abwasser wachsen die Bäume schneller als etwa in Mitteleuropa“, erläutert der Forstwissenschaftler Hany El Kateb, gebürtiger Ägypter und Mitarbeiter am TUM-Lehrstuhl für Waldbau. Das Prinzip funktioniert also, das Abwasser kann sinnvoll eingesetzt werden. Die Aufforstungen in Ägypten haben zudem einen positiven Klimaeffekt: Bäume speichern das Treibhausgas Kohlendioxid, daher leisten die neuen Wälder einen Beitrag gegen die globale Klimaveränderung. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten machte Prof. Reinhard Mosandl und Hany El Kateb vom TUM-Lehrstuhl für Waldbau auf das Projekt aufmerksam. Die beiden haben sich die künstlichen Wälder 2008 angesehen und waren sehr beeindruckt.

 

Forstwissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) helfen nun, diese Wälder in ökologischer und ökonomischer Hinsicht zu optimieren und eine nachhaltige Forstwirtschaft in der Wüste Ägyptens zu etablieren. In Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung hat El Kateb nun eine Erweiterung des Programms erarbeitet, um die Baum- und Bestandsqualität sowie die Kosten-Nutzen-Effizienz zu verbessern: Das Projekt „Nachhaltige Forstwirtschaft in Wüstengebieten in Ägypten unter Verwendung von Abwässern“ ist im März 2012 gestartet. Es wird in den ersten zwei Jahren vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit einem Betrag von 250.000 Euro unterstützt.

Die TUM-Wissenschaftler werden in den nächsten zwei Jahren an drei Wäldern untersuchen, welche Baumarten am besten für den Anbau in der Wüste geeignet sind. Das bedeutet, dass die Bäume einerseits möglichst wenig Wasser verbrauchen sollen, aber gleichzeitig auch qualitativ hochwertiges Holz liefern sollen, das sich gut verkaufen lässt. Zudem erstellen die TUM-Wissenschaftler gemeinsam mit ihren Kollegen von den Universitäten Alexandria und Ain Shams neue Lehrmodule zu forstwissenschaftlichen Methoden und zum Ressourcen- und Wassermanagement.

 

Die Forschungsergebnisse der TUM könnten für große Teile der Südhalbkugel interessant werden. „Mit den Verbesserungen bei Aufforstung und Abwasserreinigung werden solche‚ Wälder in der Wüste’ nämlich auch für private Investoren interessant“, so El Kateb. Das Projekt könnte als Vorbild für andere Trockengebiete dienen, in denen Abwasser anfällt.

 

Textquelle:Technische Universität München

Redaktionelle Bearbeitung: Deutschland Zentrum Kairo